13.04.2006

Club der armen Mitglieder

Greenfee, so heißt im Golfjargon die Gebühr, welche für das Bespielen des Clubplatzes von Nichtmitgliedern erhoben wird. Vermutlich war diese Gebühr in den letzten Jahren viel zu gering. Oder aber es waren nicht genügend zahlende Nichtmitglieder auf der Golfanlage des Dinkelsbühler Golfclubs unterwegs. Wie dem auch sei, bleiben noch die Beiträge der ordentlichen Mitglieder, die an sich, wie in jedem anderen Verein auch, den reibungslosen Betrieb des Golfclubs gewährleisten sollten. Taten sie aber offensichtlich nicht. Wie sonst kam der Club zu Verbindlichkeiten i. H. v. über € 400.000,-?

Dinkelsbühl hat eine schöne Golfanlage, die zweifelsohne auch Gäste in die Hotels und Gasstuben der Stadt führt und für das Image unserer Stadt von unschätzbarem Wert sein dürfte. Diese Tatsache hat man sich im Club offensichtlich zunutze gemacht, als man wohl allzu arglos in ein finanzielles Desaster schlitterte und den Club dabei fast an den Rand des Ruins getrieben hat. Wohl wissend, dass die Stadt sich den Golfclub nicht abhanden kommen lassen wollen wird. Was für eine Leistung muss da im letzten Jahr vollbracht worden sein, um einen zuvor noch hoch verschuldeten Club binnen 12-Monatsfrist als saniert erklären zu können?

Wie man in der heutigen Ausgabe der FLZ nachlesen konnte, war diese Leistung alles andere als leicht. Sie war schwer und konnte nur deshalb erbracht werden, weil einige Wohlwollende es gut meinten mit den armen Mitgliedern des Golfclubs. Sie fühlten sich geradewegs verpflichtet, den Spielbetrieb für die armen Mitglieder des von finanziellen Sorgen und interner Querelen geschüttelten Golfclubs um jeden Preis aufrecht zu erhalten. Sie wollten, nein, sie mussten es tun. Was aber taten sie genau, diejenigen, deren Wohlwollens sich der Dinkelsbühler Golfclub erfreuen darf?

Sie haben den Golfclub gerettet. Die bedürftigen Mitglieder dürfen sich freuen. Auch die 70, die vorsorglich davon rannten und austraten, um als Mitglieder erst gar nicht mit in die Verantwortung einbezogen werden zu können? Sie dürfen, wenn sie wollen, in Zukunft die Greenfee entrichten. Vielleicht aber treten sie wieder ein in den Club der armen Mitglieder. Schließlich haben sich die Wohlwollenden ja hinreichend um das Finanzielle gekümmert, indem sie dem Club mal eben weit über € 250.000,- erlassen haben. Die Banken und die Golfplatz-Betreibergesellschaft samt ihrer Gesellschafter, also auch die Stadt Dinkelsbühl, haben großzügig verzichtet. Alles geschah zu Gunsten eines guten Zwecks. Die Dinkelsbühler können sich weiterhin einen Golfclub leisten. Auswärtige Golfer können weiterhin gegen die Greenfee in Dinkelsbühl Golf spielen, zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger.

Wer die Zeche zahlt? Die armen Mitglieder des Golfclubs jedenfalls nicht mehr. Bleibt zu fragen, wann dem Dinkelsbühler Durchschnittsbürger die Müllgebühr oder Heizungskosten erlassen werden? Hierfür aber dürfte der durchschnittliche Dinkelsbühler nicht arm genug sein.

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1 Comments:

At Montag, 24. April 2006 16:49:00 MESZ, Anonymous Anonym said...

Ja, ja,

so arbeiten Zeitung, Rathaus und die Reichen (Golfclub uns Banken) zusammen.......

Würde ich so in meinem Betrieb arbeiten wie der Golfclub, sässe ich schon hinter Gittern.

Aber hier wird großzügig über Versagen hinweggesehen und auch noch bezahlt.....
Besonders schlimm die sogenannte Presse.... kein negatives Wort...
Warum wohl? Spielen die Herren selber?
Diese Außenstände hätten die Mitglieder zahlen müssen! Hätte sicher nicht weh getan.....
Aber die "Amigos" sind überall!

Und die Banken? Na klar! Der der es wirklich braucht, schickt man nach Hause oder fordert Wucherzins!
Nach dem Motte: "Wir wollen unter uns bleiben"
Diese Stadt stirb, leider, aber keiner tut was....
Moral und Anstand Herr Dr. Hammer, wo ist sie?
Ignoranz und Machtgeilheit regiert Sie! Leider!
In Dinkelsbühl fällt mir als Gewerbetreibener immer mehr auf das wenige "Gleicher" sind als andere!

PS: ich habe nicht´s gegen "Reiche"! Sie sollten aber wie jeder Mensch zu Ihrem Verein stehen und sich nicht davon schleichen!

 

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