Kommentar: Schuldenerlass Golfclub – FLZ 6.12.06
Seit April dieses Jahres kritisieren wir vehement den Schuldenerlass der Stadt und der Banken
gegenüber dem Golfclub Dinkelsbühl (Golfclub Romantische Strasse). Unser „engagiertes Regionalblatt“ (Zitat: Süddeutsche Zeitung), die Fränkische Landeszeitung (FLZ), sah sich geradezu aufgefordert, in dieser Angelegenheit noch einmal nachzurecherchieren. Und siehe da: Die zutage geförderten Fakten waren unserer Heimatzeitung in ihrer heutigen Ausgabe einen halbseitigen Artikel wert. Bravo! Recherche lohnt also. Obgleich wir uns ein wenig mehr Engagement schon gewünscht hätten. Einen ordentlichen Kommentar wäre die Sache allemal wert gewesen. Jedoch, wir wollen nicht unbescheiden sein. Vielmehr sei es uns erlaubt, den heutigen FLZ-Beitrag hier an Ort und Stelle zu kommentieren.Insolvenz kommt in den besten Unternehmen vor, so auch in Vereinen. Die Medien sind voll davon. Diejenigen, die eine solche Schieflage verschulden, in einigen Fällen sogar geflissentlich herbeiführen, gehen in der Regel sorgenfrei nach Hause. Für die Betroffenen am unteren Ende, dem in Neudeutsch sogenannten Prekariat, hat die Zahlungsunfähigkeit meist schicksalhafte Folgen. So auch im Falle der Beinahe-Insolvenz des Golfclubs Romantische Strasse in Dinkelsbühl. Wie wir erfahren haben, mussten Arbeitnehmer, die meist auf jeden cent angewiesen sind, auf einen Teil ihrer Entlohnung verzichten oder haben ihr Geld erst mit mehrmonatigem Zeitverzug erhalten. Dagegen wehren konnten sie sich nicht, da sie nicht ordentlich vom Arbeitgeber angemeldet waren! Unterdessen machten sich zahlreiche Mitglieder vorsorglich aus dem Staub. So recht wollte man für seinen Club wohl nicht einstehen in jenen turbulenten Tagen. Vermutlich sind es eben jene gewesen, die nun, nach erfolgtem Schuldenerlass, als Neumitglieder wieder eingestiegen sind.
Kleinunternehmern und Geschäftsleuten wird von den Geldverleihern schnell der Garaus gemacht. Der Club der armen Mitglieder indes kann seine Rettung feiern. Verbindlichkeiten um die € 250.000,- haben sich auf wundersame Weise in Luft aufgelöst. Einer der Retter: Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer. Ohne das selbstlose Eintreten der Stadt wären die Kosten für alle viel höher gewesen. Da blieb uns nichts anderes übrig, tönte es aus Hammer’schem Munde, als helfend einzugreifen. Flugs und ohne Stadtrat hat er hiesigem Golfclub Schulden in Höhe von € 15.000,- erlassen. Nur € 15.000,-? Bei seiner einsamen, weil „ratlosen“, Entscheidung hat er sich auf die Geschäftsordnung berufen, der Hammer. Angeblich hat der Stadtrat im Nachhinein die Sache dann doch noch gebilligt – ohne Gegenstimme, so der OB.Auf € 15.000,- hat der OB großzügig verzichtet! Zum Wohle Dinkelsbühls und seiner Golf spielenden Bürger. Bei 475 Mitgliedern sind das sage und schreibe € 31,58 pro Mitglied. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Golfspieler geben für ihr Hobby Tausende von Euro aus – und das meist jährlich! Ein Hartz IV Empfänger hat von € 31,58 drei Tage zu leben. Wie fadenscheinig wirken da die Rechtfertigungen von OB Hammer und den Clubvorständen. Letzteren schien die FLZ-Recherche so peinlich gewesen zu sein, dass sie sich für das
Entegegenkommen der Stadt eilig in aller Öffentlichkeit als „sehr, sehr dankbar“ zeigten und eine Rückzahlung der erlassenen Schulden unter gewissen Umständen gar nicht ausschließen wollten. Es war einmal …. Der Geschäftsführer der Golfanlagengesellschaft, Helmut Rettenmeier, versuchte zu rechtfertigen, dass „den Golfern nichts gespendet oder geschenkt“ wurde, sondern die Stadt vielmehr „im Eigeninteresse gehandelt“ hätte. „Bei einer Insolvenz hätten die Partner sehr viel mehr Geld verloren.“ Dem können wir, sprachlos geworden, nichts hinzufügen.Anstatt beispielsweise den Dinkelsbühler Schülern das Büchergeld zu erlassen - und trotz der von Hammer verursachten steigenden Stadtverschuldung - greift der OB lieber den, „in das soziale und kulturelle Leben der Stadt eingebundenen“, Golfspielern unter die Arme. € 31,58 pro Clubmitglied! Das, Herr Hammer, ist ein Skandal - in allerfeinster Amigomanier.
Labels: Golfclub-Affäre, Vetternwirtschaft

3 Comments:
So funktioniert Deutschland, nicht nur in der Provinz. Bravo ihr Provinzfürsten. Das Volk ist euch doch wurscht.
Also, die armen Golfspieler. Erst der harte Winter, dann die beinahe-Insolvenz.
Es gibt leider keine gesellschaftliche Gruppe, die per se geiziger ist, als Golfer. Fragen Sie mal Wirte, wie gerne die mit Golfern Geschäfte machen.
In Zeiten, in denen Kindergärten mangels Geld geschlossen werden müssen, ist die "Rettungsaktion" ein Skandal.
Den Hammer mit seinen Helfershelfern in die Wüste schicken geht leider nicht. Wer soll die Tickets bezahlen?
wir danken Ihnen für diesen Kommentar
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