Herrn Hammers Gespür für Gas
Ökonomische Expertise wird in der Regel der Union und eben nicht der SPD zugeschrieben. Wer aber in der FLZ vom 2. März liest, kommt in Versuchung, auch den ersten Halbsatz infrage zu stellen. Im Beitrag geht es um den Rückkauf der N-Ergie Anteile an den Stadtwerken Dinkelsbühl durch die Stadtwerke selbst in Höhe von knapp 2 Millionen Euro. Verwundert reiben sich Energiewirtschaftler wie kundige Dinkelsbühler die Augen. Nicht etwa aus Angst vor solch großen Summen, sondern weil sie sich fragen, wie kann, in Zeiten wie diesen, eine solche Entscheidung überhaupt noch getroffen werden? Ökonomisches Grundverständnis vorausgesetzt. Was also löst diese Verwunderung aus?
Versuchen wir hierzu die Überlegungen eines, wie ihn der OB nennt, "trägen" Dinkelsbühler Bürgers nachzuzeichnen. Setzen wir voraus, dass dieser "träge" Dinkelsbühler Bürger über einen durchschnittlich "trägen" ökonomischen Sachverstand sowie ein gut funktionierendes, wenn auch etwas "träges", Gedächtnis verfügt. Dieser Bürger erinnert sich zunächst daran – und das ist noch gar nicht solange her – als es darum ging, wie viele Anteile seinerzeit die N-Ergie an den Stadtwerken Dinkelsbühls übernehmen durfte. Damals votierte die CSU noch für den vollständigen Verkauf der Stadtwerke an die N-Ergie. Vollprivatisierung hieß das damalige Gebot der Stunde. Was verhindert wurde, weil die Mehrheitsverhältnisse andere waren. Die erste Frage, die sich unser Bürger in seiner "Trägheit" nun stellt ist: Was vor nicht allzu langer Zeit richtig schien, soll nun grundsätzlich falsch sein? Er denkt weiter nach und stellt im Laufe seiner Überlegungen fest, dass 2 Millionen Euro, sagen wir auf 20 Jahre, bei einem unterstellten Zinssatz von 6,5 %, finanziert, eine Tilgungsrate von sage und schreibe 181.512,79 Euro jährlich bedeuten. Er ringt mit seinem "trägen" Gedächtnis und stellt weiter fest, dass dieser Betrag sogar höher ist, als die Gewinnabführung an die N-Ergie beim letzten Jahresabschluss. Daraus folgert er korrekterweise, dass die Stadtwerke Dinkelsbühls nun zunehmend der Gewinnerzielung verpflichtet sein werden. Hatte Hammer nicht erst kürzlich das Gewinnziel als nicht erstrebenswert erachtet, angeblich zugunsten günstigerer Gaspreise?
Einmal losgetreten überschlagen sich die Gedanken unseres "trägen" Bürgers, da ihm nun auch noch einfällt, dass die Deregulierung des Gasmarktes in kürzester Zeit für mächtig Wettbewerb am Gasmarkt sorgen wird, weil jeder sein Gas kaufen kann wo er will. Da fragt er sich, ob die Stadtwerke Dinkelsbühl dann überhaupt in der Lage sein werden, sich diesem Wettbewerb erfolgreich zu stellen? Verfügen sie doch mit nur 1500 Kunden, mangels eigener Infrastruktur, know-how und hoher Verschuldung weder über Nachfragemacht noch über ausreichend Effizienzpotential, um zukünftig im Wettbewerb der Gasanbieter vorne mitzuspielen. Werden dann die hinter den Stadtwerken Crailsheim stehende EnBW oder andere die Gunst der Stunde nutzen, die Stadtwerke Dinkelsbühl billigst zu übernehmen? Wenn sie das dann überhaupt noch wollen. Zu allem Übel stellt er dann noch verstört fest, dass bereits schon heute für das PLZ-Gebiet 91550 ein günstigerer Gasanbieter als die Stadtwerke Dinkelsbühl existiert.
Weiter durchfährt es ihn: Was passiert dann mit Hallen- und Freibad? Schließlich subventionieren die Stadtwerke Dinkelsbühl heute beide Bäder. Werden sie sich das dann weiterhin leisten können? Als ihn dann auch noch die Angst um die Arbeitsplätze bei den Stadtwerken beschleicht, beschließt der "träge" Dinkelsbühler Bürger, sich nicht länger auf seinen durchschnittlich "trägen" ökonomischen Sachverstand, sondern weiterhin ganz auf seinen damischen, pardon, dynamischen OB zu verlassen, auf dass er ihn anrufen und fragen möge, ob er nicht, trotz der höheren Preise versteht sich, für immer und ewig Kunde bei den Stadtwerken Dinkelsbühl bleiben und, anstelle schwimmen zu gehen, nicht viel lieber ins Theater gehen will? Fraglich,, ob unser "träger" Dinkelsbühler sich dazu aufraffen kann.
Labels: Erdgasstreit, Stadtentwicklung

5 Comments:
War der Ledermarkt nur ein Ablenkungsmanöver?
Was denkt "Obelix" eigentlich, wie lange der noch in seinem gallischen Dorf unbehelligt leben kann? Brüssel macht hier die Vorgaben, an denen sich die Stadtwerke zu orientieren haben. Da hilft es wenig, wenn man sich den Tatsachen verweigert und mit Argumenten um sich wirft die nicht von gestern, nein von vorvorgestern sind.
Wie wechselbereit die Kunden sind, erfahren sie hier.
Ja wenn das so ist, dann kündige ich doch gleich mal meinen Gasvertrag mit den SWD.
Irgendwei komisch, der OB hatmich zwar angerufen, um mich zu bitten bei den Stadtwerken zu bleiben, er hat mir aber einen Brief geschrieben- Brief. Telefon? Egal. Es ist wie hier vorausgesagt. Und: Ich habe jetzt auch gekündigt.
Kommentar veröffentlichen
Links to this post:
Link erstellen
<< Home