27.02.2009

Der Werte-Mixa mixt ...

Was ist bloß mit der Kurie los? Seit wir Papst sind, tritt der Katholizismus behende den Weg zurück ins düstere Mittelalter an. Die Erde soll wieder eine Scheibe sein. Eindrucksvoll wurde dies in letzter Zeit von einigen Bischöfen und vom Papst selbst demonstriert, zuletzt wieder einmal vom nicht unumstrittenen Walter Mixa in Dinkelsbühl.

Nun konnte jeder, der des Lesens mächtig ist, wissen, um was für ein Kaliber es sich bei unserem Walter, Bischof Mixa, handelt. Fiel er doch bereits zum wiederholten Male mit seinen vorgestrigen Ansichten über das moderne Familienleben in Bayern und der Welt auf. Vielleicht sogar in guter Absicht, jedoch ohne die Bereitschaft, das Weltliche akzeptieren zu wollen. So sah sich Mixa am Aschermittwoch in Dinkelsbühl förmlich dazu aufgefordert, ja geradezu berufen auch zum Thema Familie und Abtreibung Stellung nehmen zu müssen, als er auf Einladung des hiesigen CSU-Ortsvorsitzenden und amtierenden Oberbürgermeisters zu Werten und Ethik in der Politik referieren durfte. Geschätzten 9 Mio. abgetriebener Föten der letzten Jahrzehnte, die wohl mehr als 6 Mio. im Holocaust umgekommener Juden gegenüberzustellen, ist irrgläubig. Nicht wenige würden sagen ketzerisch. Das weltlich garantierte Selbstbestimmungsrecht der Frau scheint für Mixa ohne Bedeutung. Gäbe es eine weltliche Inquisition, Mixa und andere verwirrte Geistliche wären ihr längst zum Opfer gefallen.

Wer einen wie Mixa einlädt, ist entweder fanatischer Katholik, gutgläubig und naiv, verwirrt oder aber, er tut das mit Kalkül. Als gutgläubig und naiv würde OB Hammer kaum jemand bezeichnen. Verwirrt? Darüber ließe sich streiten. Wohl aber als jemanden, der, getrieben auf der Suche nach Aufmerksamkeit, gerne polarisiert und die Themen bewusst so wählt, dass das Licht der Öffentlichkeit immer auch ein wenig auf ihn selbst abstrahlt. Insofern war es für Hammer zwingend, jemanden wie Mixa nach Dinkelsbühl zu holen. Die Saat ist aufgegangen. Hammer, früher selbst brillant in der Rolle des Lagerkommandanten von Fürth, freut sich derweil am Interesse der Medien und spielt diesmal die Rolle des Humanisten genauso überzeugend wie seinerzeit die des Menschenverächters. Wüssten wir's nicht besser, wir würden ihm zujubeln. Wäre interessant zu erfahren, wer alles auf der diesjährigen Einladungsliste stand, die außer Mixa für solch einen inszenierten(?) Hammer-Auftritt infrage gekommen wären.

Labels: ,

11 Comments:

At Freitag, 27. Februar 2009 14:46 Uhr +01:00, Anonymous Anonym said...

Wer den Hammer hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

 
At Freitag, 27. Februar 2009 19:14 Uhr +01:00, Anonymous Hottinger said...

In diesem Fall muss ich Ihnen vollumfänglich recht geben, Herr Frosch.

 
At Freitag, 27. Februar 2009 20:09 Uhr +01:00, Blogger blogfrog said...

Was war hier "absurd" und wer vor allem war hier "bösartig"? Hammer äußerte sich gegenüber SPIEGEL ONLINE:

... "Das geht nicht." Der Holocaust sei "mit nichts zu vergleichen, denn das Schlimmste kann man nicht vergleichen", so Hammer zu SPIEGEL ONLINE. Mixa habe aber in seiner Rede, die wie eine Predigt in ruhiger Atmosphäre und ohne Beifall aufgenommen worden sei, jegliche Leugnung des Holocaust "klar und stringent" zurückgewiesen, er habe "nichts relativiert". ...

Hat Mixa nun oder hat er nicht? Oder hat Hammer ... ?

 
At Freitag, 27. Februar 2009 20:55 Uhr +01:00, Anonymous Das Evangelium said...

Die katholische Kirche tut vieles. Als Täger verschiedener Sozialeinrichtungen hilft sie, wie meine Kirche auch, dort, wo Menschen Hilfe brauchen. Eines aber wird sie sicher nicht tun. Sie wird es sich nicht leisten, sich nicht zu überlegen, ob sie sich das bieten lässt, dass ein Provinubürgermeister und seine Helfershelfer in einer Provinzredaktion einen ihrer Bischöfe aufs Schaffott führt, wenn dem so war.

Aufklärung tut hier Not. Es sollten sich diejenigen zu Wort melden, die selbst anwesend waren als Mixa sprach. Ich konnte nichts verwerfliches an seiner Rede finden. Ich war da und ich bin evangelischer Christ.

 
At Freitag, 27. Februar 2009 21:47 Uhr +01:00, Blogger blogfrog said...

Bischof Mixa wehrt sich. "Absurde" und "bösartige" Vorwürfe gegen ihn seien konstruiert.

 
At Samstag, 28. Februar 2009 11:25 Uhr +01:00, Anonymous Anonym said...

Das ganze mutet etwas unheimlich an. Zuerst kommmt Frau Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden, nach Dinkelsbühl. Dann kommt der streitbare Bischof Mixa und stolpert prompt bei seiner Aschermittwochsrede. Dann kommt der Aufschrei der Juden und deren Scharfmacher, wie z.B. Kramer, Generalsekräter des Zentralrats der Juden, der die kath. Kirch wieder bei der Hexenverbrennung angekommen sieht. Zufall? Bestimmt.

Aber unheimmlich nutet es trotzdem zu, wenn ein Bischof auf diese Weise attakiert wird. Von einer Nation deren unendliches Leid mit nichts in der Welt vergleichbar ist und die dennoch in Gaza und anderswo ohne Zögern Kinder tötet und durch ihre Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten die Aufnahme von ernsthaften Friedengesprächen für die andere besetzte Seite nahezu unmöglich macht. Wer verhandelt schon gern mit einem Besatzer, der seinen Leute erlaubt, Häuser in die besetzten Gärten zu stellen.

 
At Samstag, 28. Februar 2009 17:14 Uhr +01:00, Blogger blogfrog said...

In eineem Interview hält Josef Schuster, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinden Bayerns, Mixas Rede für infam.

 
At Sonntag, 1. März 2009 12:13 Uhr +01:00, Blogger blogfrog said...

In den kathnews ist über OB Hammer nachzulesen:

... "Wie Hammer offenbar nicht bemerkt hat, kann von einer Relativierung keine Rede sein. Auch von der Tatsache, dass Mord unabhängig von Täter und Opfer immer Mord bleibt und dass jeder Mord zu verurteilen ist, scheint der Oberbürgermeister nicht zu verstehen. ..."

 
At Montag, 2. März 2009 08:07 Uhr +01:00, Anonymous Anonym said...

Um den Druck auf die katholische Amtskirche erhöhen zu können, kommt den Juden der Mixa gerade recht. Perfektes Timing, muss man sagen.

 
At Mittwoch, 4. März 2009 17:10 Uhr +01:00, Blogger blogfrog said...

Mixa: Würde meine Rede noch einmal so halten

 
At Samstag, 7. März 2009 10:02 Uhr +01:00, Blogger blogfrog said...

Bischof uns Rabbiner sprechen sich aus. Alles wieder gut.
sueddeutsche.de

 

Kommentar veröffentlichen

Links to this post:

Link erstellen

<< Home

Hammers dunkle Vergangenheit Schmähbrief-Affäre Golfclub-Affäre Erfolgsbeispiel Das Glück - ein Gedicht Impressum