Demokratischer Offenbarungseid?
Wieder einmal versucht ein Dinkelsbühler Oberbürgermeister seinen Bürgern eine Straße aufzuzwängen, die diese seit Jahrzehnten nicht haben wollen. Wieder einmal lässt ein Dinkelsbühler Oberbürgermeister seine Bürger im Stich. Wieder einmal kümmert es diesen Dinkelsbühler Oberbürgermeister wenig, was die Dinkelsbühler bewegt und womöglich auch entzweit. Anstatt ein Gespür für die Stimmungslage der Bürger zu entwickeln und sich dem Thema der Ost-Umfahrung behutsam zu nähern, drischt Hammer rigoros auf alles ein, was ihm auf seinem Weg, die Ost-Umfahrung durchzusetzen, in die Quere kommt. Ohne Pardon. Den Schaden, den er dabei anrichtet, ist immens, für ihn wie für Dinkelsbühl.
Instinktiv spüren die Dinkelsbühler, dass diese Straße nicht zu ihrem Wohle entstehen soll und begehren auf gegen die Zerstörung ihres Naherholungsgebietes am Mutschachwald. Instinktiv misstrauen sie den teils an den Haaren herbeigezogenen Verkehrsprognosen auch dieses Mal. Schließlich haben sich die schon früher bemühten Verkehrsvorhersagen, wie wir heute wissen, auch nicht bewahrheitet. OB Hammer ließ ganz Dinkelsbühl im Stich, weil er sich von Anfang an als einer der Wegbereiter der Ost-Umfahrung präsentierte, anstatt die Rolle des Moderators und Schlichters anzunehmen, zu der er verpflichtet gewesen wäre. Ein sorgfältiges Abwägen des Für und Wider bezogen auf die Osttrasse hat es nie gegeben. Stattdessen wurden von Anfang an Horrorszenarien an die Wand gemalt, um die Ost-Umfahrung um jeden Preis durchzudrücken. Ein ergebnisoffener Meinungsbildungsprozess? Fehlanzeige.
Die Motivation des OBs bleibt dabei unklar. Muss der Mohr nun seine Schuldigkeit tun, für etwas zu dem er sich als Gegenleistung im Zuge der Sperrung der B 25 verpflichten ließ? Sogenannte "Deals" dieser Art sind hinlänglich bekannt aus Politik und bei Gerichtsverfahren, wenn die Betroffenen respektive Angeklagten nur über genügend Trümpfe in der Hinterhand verfügen, die sie im Falle einer Benachteiligung oder Verurteilung auszuspielen bereit sind und auf diese Weise für veritable Persönlichkeiten (Politiker) des öffentlichen Lebens zu einer ernsten Gefahr zu werden drohen.
Politik ist ein undurchsichtiges Geschäft und will es bleiben. Die Prägung der allermeisten CSU-Politiker folgt nach wie vor dem Strauß'schen Rezeptbüchlein über korruptes, rücksichtsloses Dreckgeschleudere, hinlänglich bekannt aus aktueller Berichterstattung und vorgelebt vom amtierenden bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef, der in erster Linie damit beschäftigt scheint, die ihn gefährdenden CSU-internen Blähungen abzulassen, also mit sich selbst. Und das in einer Zeit, da die Bürger mehr denn je verlässliche Politiker wünschen und vor Zweifel nicht mehr wissen, wem sie ihre Stimme geben sollen. Allem Anschein nach soll von der Misere dieses Mal die FDP profitieren, gerade jene Partei, die denen nach dem Mund redet, die für die letzte Systemkatastrophe verantwortlich sind.
Wieder einmal zeigt OB Hammer in diesem Politdrama sein wahres Gesicht. "Der Mensch müsse den wirtschaftlichen Interessen vorgehen", so sagt er, und zeigt dabei, wie sehr er einer von den Akteuren ist, die keinerlei Problem damit haben, dem gegebenen Wort zuwiderzuhandeln. Offene, ehrliche, eindeutige aber vor allem verlässliche Politik, sein Credo beim Amtsantritt, sieht anders aus. Da hilft es auch wenig, wenn man sich am Aschermittwoch in die erste Reihe setzt und einem, wegen seiner Aussagen zur Familienpolitik, nicht unumstrittenen katholischen Bischof zuhört, während dieser über Ethik und Werte in der Politik referiert. Einer, der es wissen muss. Wir erinnern uns alle nur allzugut an die äußerst fragwürdigen Vorkommnisse der letzten Zeit unter den Hirten im Vatikan. Von Werten und Ethik kaum eine Spur beim klerikalen Machtgerangel im katholischen Kirchenstaat. Hammers Verhalten trägt eindeutig blasphemische Züge.
Ein Oberbürgermeister, für den der Rechtsbruch, nach eigenem Bekunden, schon mal als Mittel zum Zweck herhalten darf, der mit maßloser Wucht den Stadträten und Bürgern dieser Stadt vor den Kopf stößt, indem er unsere in demokratischer Wahl legitimierten Stadträte von ihrer Pflicht und Schuldigkeit zu befreien sucht, die Interessen der Bürger offensiv zu vertreten. Just zu einem Zeitpunkt, an dem klar wurde, dass Hammer keine Mehrheit für die Ost-Umfahrung im Stadtrat wird finden können, versucht er nun den Räten, die er für zu schwach hält, den Ausweg aus einer von ihm herbeigeredeten Drucksituation zu ebnen, mittels Ratsbegehren, damit sie keine Gewissensentscheidung zu treffen brauchen. Sein geplantes Vorgehen bei der Stadtratsitzung am vergangenen Donnerstag, das Ratsbegehren zu inszenieren, entbehrt jeden Vergleich. Bürger auf diese perfide Art und Weise zu diskreditieren, die ihre von der Verfassung garantierten Rechte wahrnehmen? Der Stoff aus dem Intrigen sind.
Jetzt stehen sie da unsere Stadträte, einige froh ob der Möglichkeit aus der Schusslinie zu kommen, die hoffentlich meisten erbost darüber, mit welch plumper Dreistigkeit sie umgangen werden sollen. Was sollen sie tun? Eine Antwort auf diese keineswegs philosophische Frage ist denkbar einfach: Entscheidet! Nein zur Ost-Umfahrung oder das Gegenteil. Denjenigen, denen die Verantwortung zu sehr auf den Schultern lastet, sagen wir: Wovor habt ihr Angst? Wenn Ihr der Bürde dieses Amtes nicht standhalten könnt, zieht bei nächster Gelegenheit die Konsequenzen. Offen und ehrlich, eindeutig und verlässlich. Über eines aber braucht Ihr Euch keine Sorgen zu machen. Dass Ihr eine Entscheidung gegen die Bürger treffen könntet, mit der Ihr dann glaubt, nicht leben zu können. Uns bleibt, wenn Ihr Euch falsch entscheidet, immer noch die Möglichkeit Eure Entscheidung per Bürgerbegehren zu revidieren. Also los, ihr habt keinen Grund Euch von diesem OB entmündigen zu lassen. Rettet, was an Demokratie noch zu retten ist. Wagt es nicht, Euch zu versündigen sondern erteilt Euch selbst und Euren Wählern die Absolution. Unser aller Dinkelsbühl liegt in Eurer Hand. Und das soll so sein.
Labels: Armes Dinkelsbühl, B 25, Politische Kultur

17 Comments:
Darum hat man 5 Tage nichts gehört, um so einen Schwachsinn zu verfassen und die Fachausdrücke
Zusammen zu suchen, braucht es schon etwas Zeit. Den Artikel würde nicht mal die Bild drucken!
Auf die Unsachliche Weise braucht man nicht weiter zu diskutieren!
Außerdem, die einzigen die den Bürgern ihre Meinung aufzwängen wollen, sind doch der Verein und der Herr…Frosch hier!
Der ein Privatproblem mit dem OB auf Kosten anderer ausficht!
Was gibt es für ein Problem, auf diese Weise entscheidet Dinkelsbühl, und wenn alle Dinkelsbühler
Wie hier behauptet wird dagegen sind geht euer Wunsch doch in Erfüllung!
Ja absolut Richtig erkannt !
Und damit es auch nochmal erwähnt wird für die , welche es nicht kennen und diejenigen die es bereits wieder vergessen haben nochmals die Demokratische Offenbarung von Jean Claude Junkert :
Premierminister von Luxemburg Jean-Claude Juncker erklärt seinen EU-Kollegen die Demokratie Demokratische Offenbarung „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“ (SPIEGEL 52/1999)
In diesem gleichgesinnten Sinne , mfg Dirk
@anonym (1. Kommentar)
Wenn die Befürworter der Ostumgehung alle so scharfsinnig argumentieren, so stichhaltig formulieren und so brillant die richtigen Schlüsse ziehen, dann braucht den Gegenern der Umgehungsstraße wahrlich nicht bange sein.
Ich dachte, dass es schon ein Forum der Bürgerinitiative gibt. Es scheint so als hätte da einer seine Niederlage immer noch nicht verkraftet. Nun wird auf den fahrenden Zug der Initiative aufgesprungen, der neue Hoffnung im Kampf gegen den OB nährt. Die Dinkelsbühler haben das damals schon richtig gemacht.
Inwiefern ein Bürgerentscheid ein demokratischer Offenbarungseid sein soll, erschließt sich mir nicht. Was gibt es demokratischeres, als wenn der Bürger über sein Schicksal selbst entscheiden kann ??? Eine Entmündigung gar eine Versündigung des Rates ist dies keinesfalls. Schließlich entscheidet ja der Rat über das Zustandekommen eines Begehrens.
Sollte allerdings der Rat falsch (also für die Ostumgehung) entscheiden, dann wird ein Bürgerbegehren folgen, so der blogfrog. Wir wissen ja, dass blogfrog immer Recht hat. Wäre das dann weniger demokratisch? Also, warum in dieser so wichtigen Frage nicht gleich den Bürger an die Wahlurne rufen? Immerhin sieht das die Verfassung ja vor. Warum schreien plötzlich die Gegner der Ostumgehung so auf? Gibt es sie vielleicht doch, die schweigende Mehrheit für die Umgehung? Nicht wer am lautesten schreit, hat immer Recht!
langsam wird es wieder Frühling, die ersten "Störche" kreisen schon ... ;-)
Ich bin mir sicher, dass dieses "geschreie" der Gegner erst die bekannte "Ruhe vor dem Sturm" ist.
Allen beteiligten ist zu wünschen, dass die Sache bald vom Tisch ist und so langsam ruhe in die Stadt kehrt (vorzugsweiße mit einer deutschlandweiten Verbannung der LKWs auf die Autobahn)
immerhin hat er Humor unser blogfrog und das ist ja mal nicht so schlecht :-)
@deluxe
"Die höchste Krone des Helden ist die Besonnenheit mitten in Stürmen der Gegenwart."
(Johann Paul Friedrich Richter)
Ich habe selten so ein polemisches, pathetisches Pamphlet gelesen. Der Stadtrat, in dessen Hand "unser aller Dinkelsbühl" liegt, kann doch ein Ratsbegehren einfach ablehnen. Das Gesetz sieht aber andererseits die Möglichkeit eines Ratsbegehrens ausdrücklich vor. Ich sehe also nicht, wo hier Bürger diskreditiert werden sollen. Kein Grund also, hier schon wieder Verschwörungstheorien zu schmieden.
An diesem Pamphlet wird erneut deutlich, dass in Sachen Ostumfahrung schon lange nicht mehr sachliche Argumente ausgetauscht werden, sondern Polemik. Wenn alle Beteiligten mal die Kirche im Dorf lassen würden, dann könnte "unser aller Dinkelsbühl" endlich mal anfangen, das Für und Wider einer Umgehungsstraße sachlich abzuwägen. Das hätte dieses Thema verdient und auch die Bürger, die sich sachlich eine Meinung bilden wollen. Diese Gefühlsduselei nervt einfach nur noch.
Eigentlich wollte ich mich an dieser leider so heiß gelaufenen "Diskussion" nicht mehr weiter beteiligen. Ein Austausch von Meinungen findet in der Frage "Umgehung Ja oder Nein" ja schon lange nicht mehr statt. Aber auf Ihr so zur Schau gestelltes "Selbstbewusstsein" möchte ich doch zu bedenken geben: Die Meinung der Mehrheit der Dinkelsbühler zu kennen oder einschätzen zu können sollte sich niemand zumuten. Man erinnere sich doch mal an die öffentliche Diskussion über die Abgas- und Lärmbelästigung durch den Verkehr auf der B25 vor der nun durchgesetzten (zeitlich befristeten und daher sinnfreien) Sperrung für "Mautflüchtlinge". Da hatte man den Eindruck, die gesamte Stadt besteht aus B25-Anrainern. Wo sind diese damals von Herrn Hammer und seinem Medienprofi so "gehypten" Bürger jetzt? Aus dem öffentlichen Bewusstsein jedenfalls völlig verschwunden. Also Vorsicht vor subjektiven Wahrnehmungen von Mehrheiten. Ich hoffe doch, dass die Mehrheit der Dinkelsbühler abwägen kann zwischen den Argumenten für eine behutsame Stadtentwicklung (ja, mit Umgehungsstraße!) und dem starren "weiter so DKB", mit schönen Träumereien von der "deutschlandweiten Verbannung der LKWs auf die Autobahn" (s.o. bei deluxe) Aber das wurde ja alles schon gesagt...
@Höttinger
Wessen Aufgabe wäre es denn ihrer Meinung nach gewesen, ein ergebnisoffenes Abwägen des Für und Wider einer Umgehungsstraße auf die Tagesordnung zu setzen, anstatt selbst die Umgehung vehement zu fordern und zu versuchen, sie mit allen Mitteln durchzusetzen? Wem oblag die Moderationspflicht zwischen Befürwortern und Gegnern?
Ein Bürgerbegehren ist ohne Zweifel sinnvoll, unter gewissen Voraussetzungen, wie z.B. gnügend Zeit zur Meinungsbildung in der Bevölkerung und deren Versorgung mit wertfreien Informationen. Meinen Sie, das sei bereits zur Genüge gegeben? Gab es denn einen ergebnisoffenen Dialog oder wurde vielmehr von Anfang an versucht mir fadenscheinigen Argumenten und Tatsachen, also Informationen, den Bürger zu blenden. Ich erinnere nur an die Aussage, dass angeblich die IHK-Mitglieder alle der Meinung seien, die Osttrasse würde gebraucht. Bis sich herausstellte, dass es gar keine Mitgliedsbefragung gab.
Warum die Stadträte entmündigen und den Bürgern zur Meinungsbildung Zeit wegnehmen? Zuerst entscheidet der Rat, dann können die Bürger, falls das dann noch nötig sein sollte, einen Bürgerentscheid begehren. So sieht es das demokratische "Protokoll" vor. Ich finde, daran sollten wir uns halten. Vor allem nachdem im Verlauf dieses Prozesses klar wurde, wie schnell die Befürworter hier versuchen, Tatsachen zu schaffen.
Verschwörungstheorien vermag ich Beileibe nicht zu entdecken.
Franken TV Kompakt: Hammer hält an LKW-Fahrverbot fest.
OB Hammer erhöht abermals den Druck auf die Stadträte, indem er sich in diesem Beitrag der NN wie folgt zitieren lässt: "Das ist eine Entscheidung, die wir in absehbarer Zeit mit der Bevölkerung treffen werden."
Diese Bemerkung ist ja nun wohl wirklich der HAMMER!
Was nimmt sich dieser OB eigentlich noch alles raus und was lassen sich die Stadträte noch alles gefallen?
Wird Zeit, dass da endlich mal EINIGE aufstehen und ihm die Stirn bieten!
Ansonsten können wir ja in Zukunft gleich lauter Stoffpuppen in die Stadtratsitzungen setzen, vor denen dann diese Show weiter gehen kann.
Dinkelsbühler wacht endlich auf!
Hammer, ein Narr? So sehen es unsere Nachbarn.
Das ist ja der Hermann ... äh ... Hammer.
Fremdingen ist zufrieden.
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