Das Nein ist ein Ja!
In der gestrigen Stadtratsitzung hat sich gezeigt, dass mindestens 4 Ratsmitglieder mit ihrer Aufgabe, der Volksvertretung, maßvoll überfordert waren, 3 ihre Position schnellstens (wieder-)finden müssen und 15 souverän ihre Entscheidung getroffen haben. 2 Ratsmitglieder stellten sich gestern mit ihren teils dürftigen, teils abstrusen statements selbst ins Abseits. Und für einen gibt es bedauerlicherweise kaum noch Hoffnung, was schade ist, bitter und unsinnig - und wohl nur durch sein ichbezogenes Verhalten begründbar.
Sei's drum. Gestern wurde die bestmögliche Entscheidung für Dinkelsbühl getroffen. Ein klares Nein zum Ratsbegehren und gleich noch eins zur Ostumfahrung. Wir brauchen sie auch nicht diese Straße. In Anbetracht dessen, dass wir gestern viele überzeugende, weil faktisch untermauerte Argumente - danke für ihren Beitrag, Herr Zitzmann - gegen die Ostumfahrung, aber kaum ein plausibles für diese Trasse gehört haben, will ich noch ein letztes Argument gegen diese Straße anbringen, das so noch nicht ausgelobt wurde und mir erst gestern so richtig klar geworden ist.
Wie jeder weiß, entwickelt sich die Gewerbesteuer im Gegensatz zur Einkommenssteuer, die eine immer wichtigere Einnahmequelle für den Stadtkämmerer darstellt, eher rückläufig. Das wurde gestern eindrucksvoll belegt.
In der Krise eine Chance sehen! Aber wie? Die heute überall verfügbaren Informations- und Kommunikationstechnolgien ermöglichen es immer mehr Menschen, die gut ausgebildet in einer Dienstleistungsgesellschaft leben, überall und zu jederzeit ihren Beruf auszuüben. Dieser Trend setzt sich vor allem im Teilzeitbereich (Mütter, die in der Stadt der Kinder wohnen, wissen wovon ich spreche) und im freiberuflichen Bereich immer mehr durch und nicht nur da. Die Menschen müssen nicht mehr täglich ins Büro fahren, sie können sich die Zeit je nach Bedarf einteilen und ihre Arbeit bequem von zuhause aus erledigen. Stichwort: "Work-life balance" - und dank Internet und moderner Telekommunikationsmittel sind sie mit dem Büro verbunden, wo dies auch sein mag, ganz so als ob sie dort wären. Die elektronische Akte ist überall verfügbar.
Nun sollten sich die Befürworter dieser unsäglichen Osttrasse wirklich einmal fragen, ob sie die Zukunft Dinkelsbühls eher im Gewerbe oder in der Dienstleistung sehen, dort wo immer mehr qualifizierte und entsprechend hochdotierte Arbeitsplätze entstehen, die von Menschen besetzt werden, denen es in erster Linie auf den Lebensstandort ankommt, die nur dann bereit sind, ihre Arbeit dort zu ver- und ihre Steuern zu entrichten, wo es Ihnen gefällt. Selbst einfachere Tätigkeiten, wie z.B. die Buchhaltung, können heute von jedem Ort aus erledigt werden. Warum nicht von einem, der so überaus attraktiv ist wie unser Dinkelsbühl. Hier nämlich liegt die größte Chance dieser Stadt. Und dass Dinkelsbühl eine der lebenswertesten Städte Deutschlands sei, haben wir gestern ja gehört.
Wie kontraproduktiv und sinnlos mutet es da an, auf eine Straße zu setzen, die durch althergebrachte und rückwärtsgewandte Sichtweisen zu begründen versucht wird, und was doch nicht richtig gelingen mag. Faktisch war es doch recht dünn, was wir da gestern aus dem Lager der Befürworter vernommen haben. Was macht es für einen Sinn, dem Beispiel anderer Kommunen zu folgen, anstatt sich klar von anderen Kommunen abzugrenzen? Anstatt nach vorne gewandt zukunftsfördernde Signale zu setzen, um die Menschen nach Dinkelsbühl zu locken, denen es hier gefallen dürfte und die gerne hier ihre Einkommenssteuer entrichten, gerne hier leben und gerne ihren Nachwuchs ohne Lärm und Feinstaub in der Stadt der Kinder aufwachsen sehen würden. Die weichen Standortfaktoren sind das Kapital dieser Stadt, dessen Plünderung gestern fürs Erste verhindert wurde. Umgehungsstraßen können sinnvoll sein, diese hier ist es nicht. Das haben die Räte gut erkannt und mit ihrem Nein "Ja" gesagt zur Zukunft Dinkelsbühls. Danke dafür.
Labels: B 25, Politische Kultur, Stadtentwicklung, Tourismus

3 Comments:
Man kann sich auch an offenen Türen den Kopf einrennen.
Erich Kästner
Es mögen ja 15 Räte die für Sie und die Bürgerinitiative richtige Entscheidung getroffen haben aber wenn Sie behaupten, dass diese alle souverän vorgetragen wurden, dann waren Sie entweder in der falschen Veranstaltung oder Sie sehen es nicht objektiv. Vermutlich ist Ihnen nicht aufgefallen, dass während des Vortrages von Otto S. doch mehrere Personen den Saal verlassen haben - und das war wohl kein Zufall. Selbstverständlich waren die Statements von Herrn Tafferner oder Paul Beitzer durchaus nachvollziehbar. Aber die Beiträge von Herrn Schmidt, Herrn Lechler oder Herrn Humpf waren das auch. Wie schwierig die Entscheidung für manche war, zeigte doch der sehr emotionale Vortrag von Herrn Müller. Jedenfalls war dieser sehr ehrlich.
Was mich wundert ist, dass Sie den äußerst interessanten Vortrag des Stadtbaumeisters nicht zerrissen haben. Selbstverständlich kann man über das Für und Wider dieser Umgehung geteilter Meinung sein.
Aber Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass ein PKW oder LKW weniger durch die Stadt fährt, wenn wir diese Umgehung nicht bauen. Insofern macht das schon Sinn, wenn andere Kommunen an dieser viel befahrenen Straße den Verkehr aus ihren Orten heraus halten. Ob die Mehrzahl der Dinkelsbühler diese Straße nicht brauchen oder nicht wollen wissen wir jedoch gar nicht. Aber es scheint sich zur Zeit ein Trend abzuzeichnen, dass wir es am Ende vielleicht doch noch herausfinden. Ob dann die 15 Räte eine Entscheidung für die Mehrzahl der Dinkelsbühler getroffen haben wird man dann sehen.
Die Ortsumfahrung ist nicht nur Angelegenheit der Dinkelsbühler,
Bei dieser Entscheidung hat sich gezeigt dass viele der Räte direkt betroffen sind oder
Durch betroffene beeinflusst wurden.
Deshalb finden sich hoffentlich Menschen aus der Gemeinde die ein Bürgerbegehren für
Die Ortsumfahrung auf die Beine stellen.
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