04.12.2010

KSV - Das Prinzip Hoffnung

Kommt Zeit, kommt Rat. Mit der nach der Gesellschafterversammlung nach außen gestellten neuen Gelassenheit, wollen Gesellschafter und Aufsichtsräte signalisieren: Alles im Griff beim KSV Desaster. Das von OB Hammer postulierte erste Ziel, Zeit gewinnen, erscheint geradezu grotesk. Denn es zeigt eines: Wir, die Aufsichtsräte,  haben unsere Hausaufgaben nicht gemacht und  wissen nun nicht, was genau wir als nächstes tun sollen. Vor allem wissen wir nicht, wie wir mit heiler Haut die anstehenden Untersuchungen überstehen. Dazu brauchen wir erst einmal Zeit.

Ein unabhängiger Prüfer soll es richten. Soll klären, was schief gelaufen ist. Das ist eine gute Idee. Jedoch wird während der unabhängigen Prüfung auch zu klären sein, so sie denn tatsächlich zustande kommen sollte, welche Fragen vor allem der Aufsichtsrat vergessen hat zu stellen, im Verlauf der letzten Monate oder gar Jahre. Wir erinnern uns: OB Hammer war nicht nur glühender Verfechter der Anlage, sondern sitzt nach wie vor auch im Aufsichtsrat. Bis 2007 war er sogar stv. Chef des Kontrollgremiums. Insofern darf man im Vorfeld schon mal die Frage stellen: Wer denn die unabhängigen Prüfer bestellen wird? Der Aufsichtsrat etwa? Und, ob der unabhängige Prüfer dann tatsächlich so unabhängig prüfen darf, ohne Rücksicht auf den Auftraggeber. Getreu dem Motto: Die Hand, die mich füttert, beiße ich nicht.

 Eine in solchen Fällen für gewöhnlich nicht unübliche Inszenierung droht. Es sei denn: Einige der magischen Stadträte der beteiligten Kommunen, insbesondere Dinkelsbühl, nehmen ihrem Oberbürgermeister endlich das Heft aus der Hand und versuchen eine unabhängige Kommission zu bilden. Deren erste Amtshandlung wäre die Bestellung der unabhängigen Prüfer. Dieser unabhängigen Kommission, zusammengesetzt aus Stadträten und externen Prüfern, obläge es, ungestört Fragen zu stellen, um ein der Wahrheit möglichst nahe kommendes Bild zu zeichnen. Ganz so, wie es sich Frau Heldt wünscht: Ein Ende der bisherigen unvollständigen Informationspolitik. Wichtig: Der neue Interimsgeschäftsführer hätte in diesem Gremium ebenfalls nichts zu suchen. Bestenfalls dürfte die unabhängige Prüfungskommission ihn hin und wieder einladen, wenn es darum geht, sich eine eigene Meinung zu bilden. In Dinkelbühl und anderswo stellt sich die Frage: Hat der Stadtrat die Eier, um so etwas durchzusetzen? Oder werden die Räte, mangels Erfahrung und wohl auch Motivation bei derlei Verfahren, sich von ihrem trickreich agierenden kommunalen Vorsteher über den Tisch ziehen lassen? Last but not least: Wird die Lokalpresse die Suche nach Wahrheit unterstützen - wir wollen nicht gleich übertreiben, aber es ist Weihnachten und da darf man sich bekanntermaßen ja etwas wünschen - indem sie das Geschehen während des Prüfverfahren kommentiert?

Als oberste Handlungsmaxime wurde gestern bei der Gesellschafterversammlung das Prinzip Hoffnung ausgerufen und vorsorglich schon mal die eine oder andere Blendgranate geworfen. So will Aufsichtsrat Hammer geprüft wissen, ob Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Hersteller der dauerdefekten Anlage bestünden und vergißt dabei glatt, dass er, in seiner Position als Aufsichtsrat, diese Gewährleistungsanprüche längst hätte anmelden müssen. Schon allein deshalb, um die von Rechts wegen vorgeschriebenen Fristen nicht zu versäumen. Ein Ablenkungsmanöver? Außerdem suggeriert er damit, dass es sich bei dem Mineralisierungssystem um ein Standardprodukt mit Mindestgarantie handele und nicht um eine nach Vorgaben (Pflichtenheft) des Auftraggebers bestellte und gelieferte Sonderanfertigung. Den Verträgen hierzu müsste das besondere - und hurtige - Interesse der unabhängigen Prüfer gelten, sollte wenigstens noch ein Teil des entstandenen Schadens auf Dritte abwälzbar sein. Als Beobachter fragt man sich deshalb schon, warum jahrelang wissentlich? und tatenlos auf eine so horrend teure Pilotanlage geschaut wurde, die nie richtig funnktioniert hat? Wie lange würde sie, liebe Leser, bei einer neu gekauften Waschmaschine untätig zuschauen, wenn diese das nicht täte, was sie getrost von ihr erwarten durften?

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5 Comments:

At Samstag, 4. Dezember 2010 14:22:00 MEZ, Anonymous Aufsichtsrat a. D. said...

Zu klären wird auch sein, wei lange die katastrophalen Zustände bei der KSV geherrscht haben, bis Geschäftsführung und Aufsichtsräte hätten handeln müssen.

 
At Samstag, 4. Dezember 2010 16:29:00 MEZ, Anonymous Anonym said...

Mei, da sitzen mit Hammer und Lang-Oertel zwei Juristen von Dinkelsübhler Seite aus im Aufsichtsrat der KSV - und tun nichts.

 
At Samstag, 4. Dezember 2010 16:32:00 MEZ, Anonymous Rathausmaus said...

Ich will ja nicht stören,
aber, was muss ich da hören!
Ich dacht´er spielt jetzt endlich mal mit offenen Karten,
statt dessen will er nur warten!
Dies ist ja ein ganz fremdes Wort aus seinem Mund,
denn er tut sonst stets laut und offen seine Meinung kund!
Offensichtlich hat er da die Mangelverwaltung nicht erkannt,
sonst wäre ihm dieses Desaster doch früher bekannt.
Man kann halt nicht aus jedem Sch.... Kohle machen
man sollte die Konten auch mal überwachen!

 
At Dienstag, 7. Dezember 2010 14:11:00 MEZ, Anonymous Rathausmaus said...

Die kleine Rathausmaus lebt versteckt
im Rathaus in einem kleinen Eck!
Sie hat die freie Wahl,
ob sie läuft oder ob sie nimmt den Aufzug aus feinstem Edelstahl!
Kommt Hammers Hund,
dann geht´s ziemlich rund.
Sie ist ganz gewitzt
und hält die Ohren stets gespitzt.
Das Mäuslein gibt fein Acht
was man dort so macht!
Manchmal schüttelt sie den Kopf,
wenn die Herren schieben Gelder von Topf zu Topf,
damit niemand auffällt, dass man schon kein Geld mehr hat
und man auch kaum noch was bekommt vom Vater Staat!
Man könnte ja dort auch mal sparen
und so manchen Plan in der Schublade bewahren!
Doch man will immer mehr und mehr,
obwohl die Kassen sind vollkommen leer!
Die Knabenkapell´ soll für 1,8 Millionen in ein altes Wasserschloß ziehen,
obwohl man auch nur einen Teil der Gelder hat - und - der ist nur geliehen!
Auf das Verkehrschaos dort kann man warten,
denn die Eltern fahren dann auch ihre Sprößlinge weiterhin bis in den Stadtmühlgarten!
Die KSV wurde auch geplant, gelobt und gesagt man hat viel Plus auf der Aktivseite
und ist jetzt - pleite!
Was ist dann als nächstes dran,
wo man nicht mehr zahlen kann!

 
At Samstag, 11. Dezember 2010 09:30:00 MEZ, Anonymous FLZ-Leser said...

Wenn man das Interview mit Dr. Hammer gestern gelesen hat: Dr. Hammer ist wie immer unschuldig.
Soll man das glauben?

 

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